Morgenthaus


Hans-Georg Glasemann empfiehlt Ihnen das neue Fachbuch von Henry Goldgierd

Morgenthau-Bonds - Betrug mit fiktiven Finanzpapieren,
ISBN 978-3-84821-088-6 ... zu beziehen bei

Betrugsaktivitäten mit fiktiven Finanzpapieren haben in den letzten Jahren weltweit erheblich zugenommen. Fiktive Finanzpapiere sind nach Angaben amerikanischer Behörden unter anderem U.S.-Federal Reserve Bonds, die nicht „gefälscht“, sondern „fiktiv“ sind, also reine Phantasieprodukte, von denen es eine „echte“ Version nie gegeben hat. Derartige fiktive U.S.-Bonds werden in Fachkreisen „Morgenthau-Bonds“ genannt.

Die Frage, die alle bewegt lautet: Sind die Morgenthau-Bonds echt, werthaltig und wirtschaftlich verwertbar? Wer sich mit den Mythen rund um die angeblich in den 1930er Jahren ausgestellten Federal-Reserve-Bonds oder -Notes beschäftigt, wird sich einerseits mit phantastischen Verschwörungstheorien und sehr hohen Gesamt-Nominalwerten im Bereich von Billionen Dollars auseinandersetzen müssen. Andererseits wird er auf die verschiedensten Betrugsversuche mit solchen, zumeist in kofferähnlichen Behältern (Boxen) verpackten, Bonds stoßen.

Henry Goldgierd befasst sich als Experte seit über zehn Jahren mit dieser Materie. In seinem Buch werden die verschiedenartigen Morgenthau-Bonds sowie das bei diesen fiktiven Bonds angewandte Betrugsschema und die Verschwörungstheorien beschrieben.

Eine Falldokumentation berichtet über alle seit dem Jahr 2000 bekannt gewordenen Beschlagnahmungen, Festnahmen und Prozesse, bei denen es um die Morgenthau-Bonds ging. Die Warnungen amerikanischer Behörden werden wiedergegeben. Die Bonds und Boxen werden exemplarisch in einer Bilddokumentation gezeigt.

Das Buch wendet sich an alle, die in irgendeiner Weise von der Thematik der Morgenthau-Bonds betroffen sind und sich für die Hintergründe dieses Billionen-Dollar-Mythos interessieren.





Morgenthau-Bond: 4% Federal Reserve Note über 100 Millionen Dollar Nennwert, Serie von 1934 A, Laufzeit: 1934 – 1967, Emittent: The United States of America, Porträt: Präsident Benjamin Franklin.



Der Morgenthau-Bonds-Betrug


Hans-Georg Glasemann beschäftigt seit mehr als zehn Jahren mit den betrügerischen Machenschaften um alte Wertpapiere, auch mit dem sogenannten Morgenthau-Bonds-Betrug. Der Sachverständige für „Historische Wertpapiere“ aus Diessen am Ammersee berichtet in Zusammenarbeit mit Henry Goldgierd exklusiv über einige seiner Recherche-Ergebnisse.

Im Februar 2012 ging folgende Pressemeldung um die Welt: Polizei nimmt acht Verdächtige fest – Bonds im Wert von sechs Billionen Dollar gefälscht. Ermittler aus den USA und Italien haben in der Schweiz gefälschte US-Staatsanleihen im Wert von sechs Billionen Dollar beschlagnahmt. Acht Verdächtige wurden festgenommen. Die gefälschten Dokumente waren in drei Metallbehältern in Zürich versteckt. Der Wert des Inhaltes der Kisten mit 6.000 Bonds umfasst in etwa die Hälfte der Staatsverschuldung der USA.

Nach Angaben der US-Botschaft in Rom waren die gefälschten Wertpapiere Teil eines Plans, um Schweizer Banken zu betrügen. Nach Meinung von Experten der US-Botschaft und der US-Zentralbank waren die Fälschungen „hervorragend“. Den falschen Wertpapieren, die laut Ausstellungsdatum aus dem Jahr 1934 stammten, war zudem eine Fälschung des Versailler Vertrags beigefügt worden. Damit wollten die Drahtzieher die hohen Beträge möglicherweise als Teil von Finanzströmen zwischen den Siegermächten des Ersten Weltkrieges rechtfertigen.

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit den Mythen um solche US-Staatsanleihen, in Fachkreisen „Morgenthau-Bonds“ genannt. Als Sachverständiger für „Historische Wertpapiere“ wurde ich seit 1998 von den verschiedensten vermeintlichen Investoren immer wieder hartnäckig gebeten, die Echtheit solcher Bonds zu bestätigen. Die Bonds tragen allesamt die faksimilierte Signatur von Henry Morgenthau Junior, ab 1934 amerikanischer Finanzminister. Daher die Bezeichnung Morgenthau-Bonds.

Die Bonds

Die Bezeichnung steht als Sammelbegriff für eine ganze Reihe von amerikanischen Schatzanweisungen, die in den vergangenen zehn Jahren in einem bestimmten, ähnlichen Betrugsschema verwendet wurden. Die Betrugsversuche dauern bis in unsere Tage an. Emittent aller Morgenthau-Bonds sind generell die USA. Ausstellende Institutionen sind zum Beispiel das amerikanische Ministerium der Finanzen oder die Washington Bank of America. Beide Institutionen bestehen nicht und haben nie existiert. Weitere Aussteller sind die Federal Reserve Banken von New York, von Chicago, von Cleveland, von Atlanta oder von Dallas.

Alle Bonds haben die folgenden Merkmale gemeinsam:

  • ein aufgedrucktes Ausstellungsdatum aus den 1930er Jahren, meistens 1934,
  • ein auffällig hoher Nennwert je Bond über 50, 100, 500 Millionen oder über eine Milliarde Dollar,
  • eine Verzinsung von vier Prozent,
  • eine Laufzeit zwischen 30 und 40 Jahren,
  • eine Absicherung über Gold in Barrenform mit einem Reinheitsgrad von 99,95 Prozent,
  • eine Faksimilesignatur von Henry Morgenthau Junior als Secretary of the Treasury sowie
  • eine Gestaltung mit einem Kopf in Form einer amerikanischen Banknote, darunter hängen die Zinskupons


Beispiel für einen Morgenthau-Bond von 1934, Nennwert: 500 Millionen Dollar

Die Boxen

In der Regel werden die Bonds verpackt in metallenen, verschlossenen Transportbehältern angeboten, versehen mit Schlüssel-Nummern. Angeblich wurden sie von den Federal Reserve Banken oder ähnlichen Institutionen in hoher Qualität auf erstklassiges spezielles Papier gedruckt und in eigens angefertigten Behältern verstaut. Das Siegel der Vereinigten Staaten von Amerika ist normalerweise auf den Deckeln der Behälter geprägt. Manchmal riechen die Bonds streng nach Karbolineum (Holzschutzmittel, auch Teeröl genannt). Zum Teil enthalten die Behälter aber auch große und schwere, gelbe Metallmünzen in Nennwerten von 100.000 Dollar, Filmnegative und Begleitmaterialien sowie internationale Echtheits- und Sicherheitszertifikate. Jeder Behälter hat seine eigene Identität durch eine Box- und eine Sicherheits-Code-Nummer. Die Bonds selber haben Serien-Nummern.

Einige der Behälter haben Spitznamen, beispielsweise: Mother, Baby, Mini, Hexagon, Octagon, Pentagon, Presidential, Cement oder Coffin Box. Es soll rund 60 verschiedene Arten von Behältern geben. Eine „U.S. Federal Reserve Box 1934“, so konnte ich beobachten, wurde 2008 mit einem Ausruf von 25.000 Euro bei Ebay angeboten. Was genau der Inhalt dieser Box sein sollte, blieb im Ungefähren. Beobachtet wurde das Angebot nicht nur von mir, sondern von tausenden Interessenten. Gekauft wurde die Box nicht!

Die Behälter und Bonds werden überwiegend aus Asien, aber auch aus Nigeria, England, Kanada oder aus der Schweiz in betrügerischer Absicht Privatpersonen und dubiosen Finanzinstitutionen zur Kapitalanlage oder als Kreditsicherheit angeboten.

Auffällig ist, dass die Bonds selten direkt durch einen Verkäufer angeboten werden, sondern meist unverbindlich über Dritte nach dem Motto: „Ein Bekannter von mir hat solche Bonds, wie und wo kann er sie einlösen? Wer hat Interesse hierbei zu helfen und dabei schnell viel Geld zu verdienen?“ Morgenthau-Bonds werden immer zusammen mit einer bestimmten Verschwörungstheorie über deren Auffinden, deren vermeintlichen Wert und deren Einlösungsmöglichkeiten präsentiert.

Ein Schema ist das folgende: Die Betrüger behaupten, dass die Bonds während der japanischen Besetzung in Malaysia im Zeitraum 1941 bis 1945 bei einem Flugzeugabsturz verloren gingen und seitdem als verschollen galten. Nun sind sie zufällig, gut geschützt verstaut in Transportbehältern, aufgefunden worden. Die Finder haben angeblich Kontakt zur Federal Reserve Bank aufgenommen. Die Bank hat schriftlich bestätigt, dass die Bonds echt sind, entsprechende Echtheitsdokumente liegen vor. Damit die Dollarauszahlung in Milliardenhöhe freigegeben wird, müssen noch einige Aktionen und fehlende Dokumente vorfinanziert werden. Für die Vorfinanzierung sucht man nun mutige Investoren. Die ganze Aktion sei streng geheim. Offiziell wird die amerikanische Regierung aus Geheimhaltungsgründen die Werthaltigkeit solcher Bonds in der Öffentlichkeit natürlich anzweifeln, behaupten die Betrüger. Nur sie kennen den Weg, um diese Bonds einzulösen oder als Kreditsicherheit zu nutzen.


Verschiedenartige 1934er Morgenthau-Boxen.

Die Betrugsmaschen

Drei der bekanntesten Verschwörungstheorien über Morgenthau-Bonds, die von den Gaunern in ihr Betrugsschema eingebunden werden, gehen so:

1.) Das Gold des Chiang Kai-Shek: Die Morgenthau-Bonds wurden seinerzeit von der CIA gedruckt und an den chinesischen Nationalisten-Führer Chiang Kai-Shek, dem Gegner der chinesischen Kommunisten in den 1930er Jahren, weitergegeben. Die Bonds waren die Sicherheit für 750.000 Tonnen chinesisches Gold, das Chiang Kai-Shek nach Amerika gesandt hatte. Wie auch immer – so die Geschichte – gingen einige der Transportbehälter mit den Bonds beim Transport nach China verloren. Die verschollenen Behälter wurden Jahrzehnte später von Eingeborenen zufällig entdeckt, in Kellern, abgestürzten Flugzeugen oder versunkenen U-Booten. Die Eingeborenen gaben die Bonds bereitwillig für ein paar Dollars an Investoren weiter. Die Protagonisten dieser Geschichte sind in einem Fall sogar im Besitz von Dokumenten über alle Details eines angeblich mit Bonds beladenen, abgestürzten B 17-Bombers einschließlich seiner Heckflossen-Nummer und Angaben über die Besatzung, die beim Absturz im Regenwald irgendwelcher entfernten tropischen Inseln ums Leben kam.

2.) Yamashita’s Gold: Sterling und Peggy Seagrave gehen in ihrem 2005 erschienenen Buch „Gold Warriors: America’s Secret Recovery of Yamashita’s Gold“ dem Morgenthau-Mythos nach. Die Autoren legen Beweise dafür vor, dass japanische Soldaten unter der aktiven Beteiligung des japanischen Kaiserhauses während des Zweiten Weltkriegs asiatische Länder systematisch geplündert haben. Milliardenwerte an Edelmetallen, Diamanten und Kunstwerken schafften die japanischen Plünderer beiseite und versteckten sie auf den Philippinen. Doch die Amerikaner schnitten ihnen den Rückzug von den Philippinen ab und brachten die Schätze an sich. Die Autoren behaupten, dass die japanische Kaiserfamilie gemeinsam mit dem philippinischen Diktator Ferdinand Marcos sowie allen amerikanischen Präsidenten von Harry Truman bis George W. Bush von dieser Beute profitierten. Präsident Truman schuf aus den Schätzen einen streng geheimen Fonds, aus dem er Operationen im Kalten Krieg finanzierte. Die philippinische Seite erhielt quasi zur Absicherung der Schätze Morgenthau-Bonds von den Amerikanern.

3.) Der Goldtrust: Arthur Heinrich Stern aus Hamburg berichtet im Internet Unglaubliches über den „Goldtrust von Chiang Kai-Shek“: Im November 1933 habe der chinesische Anführer Chiang Kai-Shek heimlich dem US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt die gesamten Goldreserven der chinesischen Kaiser überlassen. Das Gold wurde im November 1933 auf dem Schweren Kreuzer Houston von Shanghai nach San Francisco gebracht. Der Goldtransfer wurde von den US-Notenbanken abgewickelt. Chiang Kai-Shek erhielt als Gegenwert für das Gold einen Inhaber-Trust im Wert von 25.000.000.000 Dollar. Diesen Trust überließ Chiang Kai-Shek 1937 Stalin, um das Leben seines Sohnes Chiang Ching-Kuo – in der UdSSR unter dem Namen Nikolaj Elisarow bekannt – zu retten. Das Leben seines Sohnes wurde gegen den Trust im Wert von 25 Milliarden Dollar getauscht. Der Trust befand sich in Metallkoffern mit Zahlenchiffre. Auf dem Kofferdeckel war das US-Staatswappen als Adler mit Pfeilen geprägt, die Serie von 1934 und die Aufschrift „United States of America – Federal Reserve“ angegeben. Danach übergab Stalin 1939 heimlich diesen Trust an Adolf Hitler bei der Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes.

Die Beschlagnahmungen

Weltweit hat es bis heute viele Beschlagnahmungen, Festnahmen und Gerichtsprozesse wegen verschiedener kriminellen Machenschaften mit den Morgenthau-Bonds gegeben. Die nebulösen Geschichten um die Anleihen ziehen weltweit viele Menschen an. Ich bin heute davon überzeugt, dass an den Morgenthau-Bonds irgendetwas Wahres dran ist. Deshalb haben

mich diese Bonds immer stark interessiert. Meine Recherchen gingen allerdings stets von einem historischen Interesse aus. In der Realität bin ich bei diesen Bonds bisher nur auf simple Gaunereien gestoßen. Ich habe in den vergangenen zehn Jahren mitbekommen, wie hunderte Menschen beim Versuch, mit diesen Bonds zu spekulieren, ihre eigene Zeit und die von Dritten verschwendeten. Und manchmal haben sich solche Spekulanten in heikle rechtliche Situationen gebracht haben.

Ich erinnere mich noch gut: Ein Kapitalanleger aus Nürnberg hatte mich 2005 mehrfach angerufen, um seine Morgenthau-Bonds an den Mann zu bringen. Ich riet ihm, die Finger von den Papieren zu lassen. Final hat er mir stolz berichtet, dass nun ein König aus Nigeria seine Bonds für einige Milliarden Dollar kaufen wolle. Er sollte nur vorab mit 20.000 Euro für die Überweisungsspesen des Nigerianers aufkommen…

Die Behörden

Die Federal Reserve Bank of New York warnt seit 2002 auf ihrer Internetseite vor den vielfältigen Betrügereien mit gefälschten Federal Reserve Notes oder Bonds. Die amerikanische Staatsschuldenverwaltung (Bureau of the Public Debt and the U.S. Treasury) erhält laufend Anfragen aus aller Welt von Privatpersonen oder Anwaltsfirmen zur Einschätzung der Werthaltigkeit von Morgenthau-Bonds. Die Behörde berichtet derzeit von einer starken Zunahme der Betrugsaktivitäten bei den Morgenthaus. Der amerikanische Geheimdienst (U.S. Secret Service) berichtet von durchschnittlich rund 100 neuen Verdachtsfällen jährlich mit solchen Bonds und ähnlichen fingierten Finanzinstrumenten. Oft würden die Bonds bei internationalen Betrügereien als Garantien für Kredite verwendet. Es handle sich um eine verbreitete Praxis vor allem in Europa, wo das Publikum mit dem tatsächlichen Aussehen von US-Wertpapieren nicht vertraut sei. Angeblich seien unbedarfte Anleger mithilfe solcher falschen Bonds bereits um insgesamt zehn Milliarden Dollar betrogen worden.

Die US-Behörden geben Kapitalanlegern folgende Warnhinweise: Die Morgenthau-Bonds sind weder Geld, noch Obligationen, es sind Fälschungen, vermutlich ab 2001 auf den Philippinnen hergestellt, später in Malaysia. Die Vereinigten Staaten und die Federal Reserve Banken bedienen diese Bonds nicht. Die Bonds sind deshalb nicht werthaltig. Ein Anbieten solcher Bonds zum Kauf oder als Kreditsicherheit ist Betrug und führt in der Regel zu strafrechtlichen Konsequenzen. Viele Menschen, die sich mit den Morgenthau-Bonds befassen, möchten aber von solchen Warnungen nichts hören. Einer sachlichen Argumentation können allerdings Spekulanten mit gesundem Menschenverstand folgen: Selbst wenn die Morgenthau-Bonds echt wären, sind sie noch lange nicht werthaltig. Einen Wert hätten sie erst, wenn der Emittent, das heißt die USA oder die Federal Reserve Banken, bereit sind, die Bonds zurückzahlen. Das tun sie aber definitiv nicht, wie die US-Staatsschuldenverwaltung erklärt.

Gastbeitrag von Hans-Georg Glasemann in Wirtschaftswoche 2012 Hankes Börsen-Bibliothek




Aktuelle Links zu den Morgenthau-Bonds

Tipp: Suchbegriff "Federal Reserve" eingeben