Sachverständiger



Hans-Georg Glasemann

Sachverständiger für “Historische Wertpapiere”

Liebe Freunde der „Historischen Wertpapiere“

Ich bin Fachautor und Sachverständiger zum Thema „Historische Wertpapiere“. Von 1998 bis 2010 war ich als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für „Historische Wertpapiere“ der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main tätig. In diesem Zeitraum habe ich einige interessante Gutachten über alte Wertpapiere angefertigt, darunter sechs Gutachten über Deutsche Dollarbonds 1924-1930. Aus wirtschaftlichen Gründen habe ich diese öffentliche Tätigkeit leider aufgeben müssen.

Gern stehe ich Ihnen mit meinem großen Erfahrungsschatz als privater Sachverständiger zur Verfügung und berate ich Sie neutral und vertraulich, wenn Sie alte Wertpapiere taxieren oder verwerten möchten. Soweit sich dies telefonisch oder per E-Mail erledigen lässt und einen überschaubaren Zeitrahmen nicht überschreitet, berate ich Sie sogar kostenlos:

Telefon 08807/ 206 505 oder E-Mail: nonvaleurs.de@googlemail.com


Bochum – Frankfurt – Paris - Ebay

Der Appetithappen bei Krupp in Bochum schlug gleich ein, die Lust auf das komplette Menü war geweckt. Im Paris der 1970er und 80er legte Hans-Georg Glasemann dann so richtig los und wurde aktiver Marktteilnehmer in der europäischen Szene für „Historische Wertpapiere“.  Als Geschäftsführer des „Historischen Portfolios“ in Frankfurt erfüllte er sich einen Traum, der jedoch leider nicht einträglich genug war. Aus dem Hobby als Beruf wurde wieder die Lieblings-Freizeitbeschäftigung, die Glasemann seither als Sammler, HWP-Berater und Buchautor auslebt.

der aktiensammler: Herr Glasemann, wie sind Sie zum Sammeln gekommen?

Hans-Georg Glasemann: Also zunächst mal muss ich klarstellen, dass ich kein Hardcore-Sammler bin.

der aktiensammler: Aha - wie dürfen wir das verstehen?

Hans-Georg Glasemann: Ich bin mehr an den Hintergründen interessiert; ich sammle und kaufe Wertpapiere immer nur solange, wie ich dazu recherchiere. Ich mag es, Systematik und Ordnung ins Chaos zu bringen und nehme mir viel Zeit zum Recherchieren, um alte Dokumente und Bücher zum jeweiligen Thema zu finden, um mich einzulesen, Zusammenhänge zu verstehen und ein Sammelgebiet zu strukturieren. Wenn ich alles erforscht habe, schreibe ich meistens ein Buch oder einen Artikel zum Thema und verkaufe die Papiere später wieder.

der aktiensammler: Das heißt, Sie haben im Grunde gar keine Sammlung?

Hans-Georg Glasemann: Doch. Ich sammle deutsche Auslandsanleihen aus der Zeit von 1924 bis 1936 sowie HWP zum Suez- und Panamakanal. Außerdem halte ich immer nach Besonderheiten Ausschau, wie z. B. die im „aktiensammler“ beschriebenen Obligationen der Liebe. Meine früheren gesammelten deutschen Auslandsanleihen hatte ich vor vielen Jahren über eine Auktion bei Michael Steinke größtenteils verkauft, nachdem klar geworden war, dass in Ostberlin Riesenmengen davon lagerten. Was ich heute habe, sind die noch ungeklärten Stücke aus dem Osten, dazu zählt unter anderem eine „City of Leipzig“-Dollaranleihe von 1926. Und ich habe nach den BARoV-Auktionen wieder eine neue Sammlung mit Auslandsanleihen angefangen.

der aktiensammler: Welches Stück würden Sie nie hergeben?

Hans-Georg Glasemann: Es ist ein Erbstück, das ich behördlich anfordern musste. Es handelt sich um einen Anteil über 500 Mark an der deutschen Neu Guinea Compagnie von 1914. Mein Großvater George Glasemann war nämlich in den 1930er Jahren Vorstandsmitglied der pazifischen Kolonialgesellschaft, die sich dem Handel und der Plantagenwirtschaft widmete. So wurden unter anderem Kokosnüsse angebaut. Ich habe die Anteilscheine  im Jahr 1991 beim damaligen BARoV mit einem Depotauszug von 1948 und dem Erbschein meines Vaters beantragt. Vier Jahre später kam ein Päckchen mit den Stücken.

der aktiensammler: Zurück zur Eingangsfrage – hat ihr Großvater indirekt den Anstoß gegeben, HWP zu sammeln?

Hans-Georg Glasemann: Nein, als ich mich um die Erbstücke kümmerte, war ich schon lange Sammler. „Infiziert“ wurde ich von Klaus Hellwig. Ich arbeitete in den 1970ern als EDV-Programmierer und Systemanalytiker bei Krupp in Bochum, wo auch Klaus Hellwig damals tätig war. Er brachte immer Historische Wertpapiere mit in die Firma. Ich fand es faszinierend, diese Stücke, die man sonst nicht mehr zu sehen bekam, anzuschauen und in den Händen zu halten.

der aktiensammler: Was war das erste Wertpapier, das Sie gekauft haben?

Hans-Georg Glasemann: Das war ein Stück der Brazil Railway Company, eine nordamerikanische Gesellschaft, die im Süden Brasiliens ein großes Eisenbahn-Streckennetz aufbaute. Ich kaufte das Papier Mitte der 1970er beim Ersten Wertpapier-Antiquariat Werner Ulrich in Bochum. Mit Ulrich begann dann auch eine Zusammenarbeit. Als ich Ende der 1970er in Hamburg bei Tchibo in der EDV arbeitete, boten wir der Frauenzeitschrift „Brigitte“ an, HWP als Wandschmuck vorzustellen. Die Redaktion damals war begeistert und brachte Historische Wertpapiere als Weihnachtsgeschenk-Idee. Wir erhielten hunderte von Bestellungen.

der aktiensammler: Das waren noch Zeiten. Welche Einkaufsquellen hatten Sie damals noch?

Hans-Georg Glasemann: Es gab ja noch kein Internet, ich stieß irgendwann auf die Freunde Historischer Wertpapiere und begann, Auktionen zu besuchen. Und ich fuhr oft nach Paris, klapperte dort in der Rue Vivienne alle Münzhändler ab und fragte nach Historischen Wertpapieren. So stieß ich auf Guy Cifré, einen Briefmarken- und Münzhändler und späteren Freund, der auch HWP im Angebot hatte. Sein Laden war nicht weit von der Pariser Börse entfernt. Bei einem Bouquinisten vor der Kathedrale Notre Dame wurde ich auch fündig: Er hatte Königliche Schuldverschreibungen aus dem Frankreich des 18. Jahrhunderts an einer Art Wäscheleine aufgehängt und verkaufte das Stück für 30 Francs. Es sprach sich herum, dass ich aus Paris interessante Stücke mitbrachte. Mit der Zeit baten mich Sammler darum, sie anzurufen, wenn ich Besonderheiten entdeckte. Meine Telefonliste nannte ich „Alarmnummern-Liste“. Alle Sammler legten damals noch großen Wert darauf, dass die Papiere auch dekorativ waren. Auch mit dem Sammler Helge Krebs kam ich ins Geschäft, er verriet mir im Gegenzug zur Bouquinisten-Quelle einen Geheimtipp in Paris, wo sehr günstig HWP angeboten wurden. Es handelte sich um den Börsenmakler Eli Charnoz in der Rue de la Bourse, Numero 2. Zusammen mit seiner Frau machte der damals etwa 80-jährige Broker täglich die Notierungen für die notleidenden chinesischen Bonds und die unbedienten Zarenanleihen – und er verkaufte HWP zu sehr, sehr günstigen Preisen. Einmal im Jahr wurde bei ihm abgerechnet. Es war der Treffpunkt schlechthin. Auch Kostolany traf ich einmal dort und lud ihn ins Café Opéra ein.

der aktiensammler: Von 1980 bis 1984 waren Sie Geschäftsführer der Handelsgesellschaft für Historische Wertpapiere  „Historisches Portfolio“ in Frankfurt, seinerzeit eine Tochtergesellschaft des Bankhauses Georg Hauck & Sohn. Wie kam es dazu?

Hans-Georg Glasemann: Das war die schönste Zeit meines Lebens. Ulrich Drumm und der Bankier Michael Hauck hatten mich eines Tages angesprochen und so wurde ich Geschäftsführer der GmbH. Leider konnte ich nicht davon leben, so wie ich gehofft hatte. Das Grundgehalt war zu niedrig, und für die erhoffte, einträgliche Provision hätte der Umsatz viel höher sein müssen. Das konnten wir leider nie erreichen. Aber es hat unglaublichen Spaß gemacht, ich lernte viel dazu und kam gut herum. Zum Beispiel prüften wir einmal im Londoner Bankhaus Coutts, der Bank der Queen, Konföderierten-Anleihen zum Ankauf. Doch die Menge der Papiere und der Preis waren zu hoch, so dass wir die Papiere nicht erwarben. Es war sehr beeindruckend und vornehm bei Coutts. Ich erinnere mich noch: Jedes Mal, wenn wir auf den Gang gingen, mussten wir das Jackett anziehen.

der aktiensammler: Welche mittlerweile wertvollen Stücke gab es damals für einen Apfel und ein Ei?

Hans-Georg Glasemann: So um 1980 herum stieß ich auf dem Smythe-Basar in Strasburg, Pennsylvania (USA), auf die Lancaster Turnpike-Aktien von 1798. Das Besondere: Sie waren auf Tierhaut gedruckt, hatten eine dekorative Vignette. Ich dachte sofort, dass diese Stücke wertvoll werden würden und kaufte 30 Stück für jeweils 100 US-Dollar. Beim gleichen Anbieter gab es noch andere Stücke, die ich damals unterschätzte. Einige Dutzend Standard Oil-Aktien mit Originalunterschrift von Rockefeller wurden angeboten, alle kosteten 100 US-Dollar je Stück. Leider habe ich nicht zugegriffen, ich konnte mir nicht vorstellen, dass eine Aktie der Standard Oil Company einmal kostbar werden würde. Und heute ist diese Aktie sozusagen die „Blaue Mauritius“ unter den Historischen Wertpapieren.

der aktiensammler: Seit wann sind Sie Sachverständiger für Historische Wertpapiere und wie kam das?

Hans-Georg Glasemann: Da ich schon das eine oder andere Gutachten, zum Beispiel über den „Historical Bond Fraud“, verfasst hatte, schlug ich der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Frankfurt vor, diese Dienstleistung staatlich geprüft anzubieten: 1998 war ich dann der erste öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für „Historische Wertpapiere“ in Deutschland. Michael Steinke hatte damals meine Eignung geprüft. Meine Homepage www.nonvaleurs.de startete damals zur selben Zeit, anfangs war es eine reine Warn-Internetseite vor betrügerisch angebotenen Wertpapieren und gefälschten HWP.

der aktiensammler: Wer kommt mit welchen Fragen zu Ihnen als Sachverständiger?

Hans-Georg Glasemann: Es kommen Privatleute, die alte Wertpapiere geerbt haben und wissen wollen, wie viel sie wert sind. Auch die Frage nach dem verminderten Wert für beschädigte HWP, etwa durch Wasser- oder Brandschäden, taucht öfters auf. Überwiegend kommen die Aufträge von Behörden oder Unternehmen. Für ein Landgericht in Nordrhein-Westfalen habe ich einmal ein Gutachten über den Wert einer Peru-Anleihe von 1875 geschrieben. Weitere Beispiele waren: Für einen holländischen Auftraggeber ein Gutachten über die älteste Aktie der Welt, der „Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC)“ und für ein Landgericht in Mecklenburg-Vorpommern sollte ich nachweisen, dass es eine Dollar-Bond-Emission von 1928 der Überlandzentrale Pommern AG tatsächlich gegeben hat. Heute bin ich zwar kein IHK-Sachverständiger mehr, berate aber immer noch als Fachmann.

der aktiensammler: Sie kaufen und verkaufen einiges auf Ebay. Warum?

Hans-Georg Glasemann: Mit 66 Jahren gehe ich nicht mehr zu Präsenzauktionen, früher war ich regelmäßig dort. Jetzt bietet sich für mich das Internet an. Außerdem: Spezialitäten, wie die eingangs erwähnten „Obligationen der Liebe“, findet man einfach nur auf Ebay. Ich speichere zum Beispiel in Ebay Deutschland, USA und Frankreich meine Suchbegriffe ab und werde per Mail benachrichtigt, wenn es passende Angebote gibt. Das klappt sehr gut. Mit Betrug oder nicht bezahlten bzw. gelieferten Stücken hatte ich noch keine Probleme. Der Bezahldienst Paypal fungiert hier als gute Absicherung. Wegen der Marktüberflutung durch die BAROV-Papiere ist es grundsätzlich aber anstrengend geworden, auf Ebay zu suchen. Man muss sich manchmal durch tausende von Papieren wühlen.

der aktiensammler: Was sagt denn Ihre Familie zu Ihrem Hobby?

Hans-Georg Glasemann: Überhaupt nichts, das ist meiner Frau und meinen Kindern  ziemlich egal.

der aktiensammler: Was machen Sie, wenn Sie sich nicht mit HWP beschäftigen?

Hans-Georg Glasemann: Ich segle gern am Ammersee. Am liebsten verbringe ich momentan aber die Zeit mit meiner 13-jährigen Tochter Sarah. Ich unterstütze sie als junge Autorin. Sie hat bereits das Kinder-Tierbuch „Fantastische Tierwelt“ und einen Mystery-Thriller namens „Kristall der Verwandlung“ geschrieben. Ich redigiere ihre Texte und kümmere mich um die Technik für den Online-Vertrieb. Sie ist als Autorin übrigens erfolgreicher als ich, denn sie hat von ihren Büchern schon mehr verkauft, als ich von meinen.

Das Interview führte 2012 Cora Gutiérrez vom „aktiensammler



Bücher und ausgewählte Aufsätze von Hans-Georg Glasemann

Drumm/Henseler/Glasemann, Historische Wertpapiere, Ottomanisches Kaiserreich und Türkei – Aktien und Anleihen 1854-1938, Frankfurt am Main, 1983

Glasemann, Hans-Georg, "Die Konversionskasse für deutsche Auslandsschulden (1933-1975)" in: "Die Bank", Heft 4, Seite 228-231, April 1990

Glasemann, Hans-Georg, "Die Schattenquoten aus dem Londoner Schuldenabkommen" in: "Die Bank", Heft 6, Seite 347-353, Juni 1990

Glasemann, Hans-Georg, "Unbediente Vorkriegs-Auslandsanleihen ostdeutscher Aussteller" in: "Die Bank", Heft 8, Seite 470-473, August 1990

Glasemann, Hans-Georg, "Vierzig Jahre Londoner Schuldenabkommen" in: "Die Bank", Heft 8, Seite 491-496, August 1991

Glasemann, Hans-Georg und Korsch, Ingo, Hoffnungswerte, Ungeregelte Ansprüche aus Wertpapieremissionen vor 1945 und ihre Entschädigung nach der Wiedervereinigung, Wiesbaden, 1991

Glasemann, Hans-Georg, "Ablösung der Schattenquoten aus dem Londoner Schuldenabkommen" in: "Die Bank", Heft 10, Seite 576-579, Oktober 1991

Glasemann, Hans-Georg, Deutschlands Auslandsanleihen 1924-1945, Rückzahlungen nach der Wiedervereinigung von 1990, Wiesbaden, 1993

Glasemann, Hans-Georg, "Umtauschobligationen 1933-1945" in: "Die Bank", Heft 11, Seite 677-679, November 1993

Glasemann, Hans-Georg, "Faule Vorkriegs-Anleihen" in: "Die Bank", Heft 5, Seite 314-316, Mai 1994

Glasemann, Hans-Georg, "Ausgleichsleistung für Wertpapiere aus der Reichsmarkzeit" in: "HP-Magazin", Heft 5, Seite 22-27, Mai 1995

Glasemann, Hans-Georg, Deutsche Wertpapiere aus der Reichsmarkzeit - Ablösung der Ostwerte nach der Wiedervereinigung, Frankfurt/Main, 1998

Glasemann, Hans-Georg und Wanner, Eckhardt, Fünfzig Zentner Roggen, Geschichte und Katalog der wertbeständigen Anleihen in Deutschland, Schriftenreihe des Ersten Deutschen Historic-Aktien-Club e.V., Heft 2/2, 2006

Glasemann, Hans-Georg, Die Schuldtitel der Konversionskasse für deutsche Auslandsschulden 1933-1945, Finanzgeschichte und Katalog, Regenstauf, 2009

Glasemann, Hans-Georg, Die Auslandsanleihen des Deutschen Reichs und Preußens 1924-1930, Finanzgeschichte und Katalog, Regenstauf, 2009

Glasemann, Hans-Georg, Bedarfsdeckungs- und Zinsvergütungsscheine des Reichsfinanzministeriums 1933-1945, Finanzgeschichte und Katalog, Regenstauf, 2009

Glasemann, Hans-Georg, Schattenquoten-Bezugsrechte unter dem Londoner Schuldenabkommen von 1953, Finanzgeschichte und Katalog, Regenstauf, 2009

Glasemann, Hans-Georg, Die Steuergutscheine des Reichsfinanzministeriums 1932-1945, Finanzgeschichte und Katalog, Regenstauf, 2009

Glasemann, Hans-Georg, Die Finanzgeschichte des Kanals von Korinth, Historische Wertpapiere 1882-1977, Norderstedt 2010